W. G. Sebalds „Die Ausgewanderten“ im Literarischen Quartett

Ziemlich genau heute vor 19 Jahren, am 14. Januar 1993, besprach Reich-Ranicki mit seiner Kritiker-Runde Sebalds zweites Prosabuch, Die Ausgewanderten (erschienen 1992 in Enzensbergers Anderer Bibliothek). Angesichts großer Uneinigkeit sieht sich Reich-Ranicki am Ende gezwungen, aus Lessings Nathan der Weise zu zitieren: Man solle sich in 20 Jahren wieder treffen, um dann zu sehen, ob man sich noch an das Buch erinnere. Die Zeit scheint dem Autor heute, zehn Jahre nach seinem Tod, Recht zu geben.

Während einer fast gewohnt hitzigen Debatte spricht Reich-Ranicki Sebald zwar seinen Respekt aus, wirft ihm dann im Wesentlichen aber eine zu gedrechselte und allzu feierliche Germanisten-Sprache vor. Lobend halten Sigrid Löffler und vor allem Hellmuth Karasek dagegen. Letzterer hatte vielleicht noch etwas gutzumachen, nachdem er mit Sebald 1990 in Klagenfurt, auf dessen Bachmannpreis-Lesung (aus eben den Ausgewanderten, nämlich der Paul Bereyter-Erzählung), eher wenig anzufangen wusste. Zu Gast ist noch die Publizistin Barbara Sichtermann; sie ist irgendwie gegen das Buch, ihre Kritikpunkte werden allerdings nicht ganz deutlich (die Ambros Adelwarth-Erzählung ist ihr zu kurz, vor allem mag sie aber wohl die Bilder nicht).

Über die literarische Gesellschaft an diesem Abend im „Quartett“ wird sich Sebald gefreut haben: Neben seinen Ausgewanderten (ab 46:18) werden u. a. Ruth Klügers weiter leben (ab 31:16) und Claude Simons Georgica (ab 58:42) besprochen.

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